09.11.2020

Jubiläumsgottesdienst:

"Gott baut ein Haus, das lebt"


Alle Fotos: Ulrike Volke (zum Vergrößern bitte anklicken)

Der Wunsch ging in Erfüllung: Bei ruhigem Herbstwetter das 40-jährige Jubiläum des Ökumenischen Gemeindezentrums Kranichstein im Freien auf dem Innenhof feiern zu können. Am 8. November, dem Kirchweih-Sonntag, schien sich der Himmel mit zu freuen, sogar die Sonne lugte immer mal wieder hervor. Im „Hof der Begegnung“, in der Philippuskirche und der Kirche St. Jakobus sammelten sich die 100 Besucherinnen und Besucher, die live aufgrund der Corona-Schutzbeschränkungen zum Jubiläumsgottesdienst zugelassen waren. Empfangen von den Klängen des Dekanatsposaunenchores gab es zur Begrüßung für jeden eine Streichholzschachtel mit Jubiläumslogo und dem Lied-Aufdruck „Gott baut ein Haus, das lebt“ - Einstimmung auf den Gottesdienst und Erinnerungsgeschenk zugleich.
Die Bläser des evangelischen Posaunenchores und der wunderbare Gesang der katholischen Kantorin Gabriele Schrenk, begleitet von Hans Dieter Müller am Klavier, trugen wesentlich zur festlichen Stimmung bei. Die Video-Übertragung vom „Hof der Begegnung“ in beide Kirchen und über das Internet nach Hause klappte, und die Anspannung von Hans-Wolfgang Aicher, dem Technik-Verantwortlichen, wich von Minute zu Minute. Aha-Erlebnisse der besonderen Art unter sorgsamer Einhaltung der AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske).
Pfarrer Stefan Schäfer und Pastoralreferentin Sonja Knapp von der katholischen Gemeinde St. Jakobus sowie die Pfarrer Manuel Alem und Dietmar Volke von der evangelischen Philippusgemeinde gestalteten gemeinsam mit weiteren Mitwirkenden den Festgottesdienst vom Balkon der Kirche St. Jakobus aus.
Sonja Knapp und Dietmar Volke gingen in ihrer Dialogpredigt auf den Leitgedanken der Architekten des Ökumenischen Gemeindezentrums (ÖGZ) ein, ein „Zelt Gottes unter den Menschen“ zu bauen. Von außen wirke es eher „wie eine feste Burg“, so Volke. Ob Zelt oder Burg – man bewege sich “irgendwo dazwischen“. Das ÖGZ habe viel erlebt und schon einige Stürme überstanden. Heute beschäftige die katholische Gemeinde der „Pastorale Weg“, die evangelische der „Prioritätenprozess EKHN 2030“. Außerdem „hält uns Corona in Atem und macht uns Sorgen“, sagte Sonja Knapp. Viele Selbstverständlichkeiten seien in Frage gestellt und Routinen unterbrochen worden, so die Pastoralreferentin, „Flexibilität und Kreativität waren und sind gefragt, damit eben nicht alles ausfällt, sondern das Leben im und um das ÖGZ weitergeht“. „Danke, dass Ihr dieses Haus zu einem lebendigen Haus macht“, rief Pfarrer Volke den Gottesdienstbesuchern zu, „ohne die Menschen, die hier seit 40 Jahren christliches Gemeindeleben gestalten, wäre das Haus sinnlos.“
Im Anschluss wurde das neue Logo des Ökumenischen Gemeindezentrums auf dem „Hof der Begegnung“ enthüllt, das bis dahin mit dem ursprünglichen Baum-Logo verhüllt war.
Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse gratulierte und würdigte es als „große Leistung“, das Zentrum aufzubauen und es über so viele Jahre weiterzuentwickeln. Als evangelische und katholische Gemeinden gemeinsam das zu tun, was sie durch ihren Glauben und die kirchliche Lehre gemeinsam tun können, sei „mehr als wir oft denken“, so die Dekanin. Hier werde konfessionsverbindend, aber auch milieuverbindend gearbeitet. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen sei es wichtig, dass sich unterschiedliche Menschen zusammen- und auseinandersetzten, in Zeiten von Corona auch in neuen Formaten. Das neue Logo mache das ÖGZ laut Dekanin noch einmal neu nach außen sichtbar. Gelb stehe für die katholische, lila für die evangelische Kirche und grün für die Ökumene, aber auch für Hoffnung. So wünschte sie den Jubilaren, dass sie „Hoffnungsträger für die und mit den Menschen in Kranichstein“ sein mögen.
Der katholische Dekan Dr. Christoph Klock ließ ein Grußwort verlesen, worin er Dankbarkeit für die Menschen, Diskussionen, Begegnungen und gemeinsamen Aktionen in 40 Jahren ausdrückte. Das ÖGZ sei ein Ort der Freiheit. 40 Jahre erinnerten auch an das Volk Israel in der Wüste, das ebenso „Freiheit und Verantwortung, Vertrauen und Geduld einüben“ musste. Er wünschte dem ÖGZ auch für die Zukunft den „Geist der Stärke, Zuversicht, Hoffnung und Mut“, man möge das Mögliche tun, sich nicht am Unmöglichen erschöpfen und das eine vom anderen unterscheiden.
Auch der langjährige katholische Pfarrer von St. Jakobus, Lothar Landvogt, war zum Jubiläum gekommen und ließ sich zitieren: „Die Zukunft wird die Ökumene sein.“ Er hatte zusammen mit seinem evangelischen, 2017 verstorbenen Kollegen Pfarrer Helmut Beth 1980 die Ökumene in Kranichstein unter dem Dach des ÖGZ von Anfang an aufgebaut. Aus Berlin grüßte der Dritte im Bunde der damaligen Pfarrer, Gerd Decke, Pfarrer der Philippusgemeinde von der Einweihung bis 1993: „Herzlichen Glückwunsch, dass unser Ökumenisches Gemeindezentrum … immer mehr zu einer ökumenischen Gemeinde aus den zwei Gemeinden geworden“ ist. Auch die benachbarte Selbstständige Evangelisch-Lutherische Kirche sowie die Freikirche Ecclesia übermittelten Segensgrüße zum Jubiläum.
Außer den Streichholz-Schachteln waren für das Jubiläum Kerzen mit dem ÖGZ-Logo vorbereitet worden. Wegen Corona-November-Regeln musste deren Verkauf zum Preis von 4 € abgesagt werden, auch die anderen vorgesehenen Stände fielen aus. Die ÖGZ-Jubiläumskerze kann in den Gemeindebüros bestellt oder gekauft werden, die passenden Streichholzschachteln gibt’s dazu.
Weil das Pastoralteam lange nicht wusste, ob der Jubiläumsgottesdienst stattfinden kann, hat es vorab ein Video zu 40 Jahren Ökumenisches Gemeindezentrum vorbereitet, das auf dem YouTube-Kanal des Evangelischen Dekanats Darmstadt-Stadt unter https://youtu.be/6W92gnwU1_I abrufbar ist. Weitere Informationen unter www.oegz.de  .
                                                     Rebecca Keller, Dietmar Volke, Winfrid Schenk

Oberes Foto:
Lothar Landvogt (im Foto li.), katholischer Gründungspfarrer des Gemeindezentrums, war zum Jubiläum gekommen. Das war eine besondere Freude, die mit Beifall der Festgäste bekundet wurde. Neben Landvogt (v.l.n.r) einige der heute Amtierenden: der langjährige Kirchenvorsteher Winfrid Schenk (verdeckt), Dr. Emil Hubert, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, Pastoralreferentin Sonja Knapp, Pfarrer Manuel Alem, Kirchenvorsteher Dr. Frank Möller, Pfarrer Stefan Schäfer, die evangelische Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse, Sylvia Richter, bis vor zwei Jahren Pfarrerin im Gemeindezentrum, Pfarrer Dietmar Volke sowie Gäste, im Hintergrund der Dekanatsposaunenchor.
Mittlere Fotos:
Das neue Logo - noch verhüllt mit dem alten Logo
Unteres Foto:
Teilnehmer im "Hof der Begegnung" mit Blick auf den Balkon von St. Jakobus          


 

 

Ökumenisches Gemeindezentrum