21.12.2017

Pfarrer i.R. Helmut Beth gestorben

Würdiger Trauergottesdienst in der Philippuskirche


Pfarrer i.R.Helmuth Beth + (zum Vergrößern bitte anklicken)

Pfarrer Helmut Beth ist kurz vor Weihnachten gestorben. Er wurde 86 Jahre alt. Über 24 Jahre war Beth Pfarrer in Kranichstein. Von 1972 bis zu seiner Pensionierung 1996. Er kam nach Kranichstein, als der Stadtteil als Trabantenstadt gerade erst im Entstehen war. Die Idee, die Konzeption und die Realisierung eines ökumenischen Gemeindezentrums haben die Anfangsjahre Beths in Kranichstein bestimmt. 1980 zogen die evangelische und die katholische Gemeinde in das gemeinsame Gemeindezentrum. In der Zeit nach 1980 hat Pfarrer Beth das Miteinander in diesem Zentrum maßgebend mit geprägt. Beharrlichkeit und Verlässlichkeit, ein Gespür für die Gunst der Stunde und die Gabe, Mitarbeiter/innen zu gewinnen und zu begeistern – das waren Merkmale, die ihn auszeichneten. Zur Gunst gehörte, dass er Partner fand, mit denen er „gut konnte“, und dass er ein Gespür dafür hatte, was der neu entstehende Stadtteil brauchte. Neben dem Aufbau der Kirchengemeinden ging es ihm darum, mitzuhelfen, den Stadtteil lebenswert zu machen.Helmut Beth hatte mit Anfang 30 seine sichere Beamtenstellung bei der Bahn aufgegeben, das Abitur nachgeholt und dann in den 60-er-Jahren Theologie und Politische Wissenschaften in Heidelberg und Berlin studiert. Er engagierte sich in der Friedensbewegung und war Mitarbeiter der Prager Friedenskonferenz. Schon als Student organisierte er Studienreisen etwa nach Prag. Diese Erfahrungen prägten sein Verständnis von Ökumene mit. Eine frühe ökumenische Erfahrung hatte er in seiner Heimatstadt Worms gemacht, als es nach dem Krieg dort keine evangelischen Kirchen mehr gab und die evangelischen Gottesdienste im Dom stattfanden. Über die Hälfte seines Lebens lebte Beth in Kranichstein, seit 1972. Er war ein Kranichsteiner mit Wormser Zungenschlag. Seine Interessen gingen aber auch weit über den Stadtteil hinaus, er hatte Kontakte in alle Welt. Er gehörte der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau an und leitete dort den Ausschuss für „Mission und Ökumene“. In Darmstadt engagierte er sich in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), gehörte dem Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit an und gründete den Islamisch Christlichen Arbeitskreis in den 90-er-Jahren mit. Im Ruhestand unterstützte er von Anfang an über viele Jahre den ökumenischen Kirchenladen „Kirche & Co“, er war Vorstandsmitglied und Rechner des Trägervereins sowie Mitarbeiter im Kirchenladen. Neben dieser ehrenamtlichen Rührigkeit hat er über 25 Jahre bis 2013 Gruppenreisen in die Welt organisiert, sei es nach St. Petersburg oder bis nach China. Hätte es eines Beweises bedurft, dass Beth mit seinen vielfältigen Interessen dennoch in Kranichstein zu Hause ist, so war es der „Goldene Kranich“, der ihm 2009 für die Aufbauleistung der Ökumene in Kranichstein verliehen wurde - gemeinsam mit Lothar Landvogt, dem seinerzeitigen katholischen Kollegen und Partner. Trotz zunehmender Gebrechlichkeit feierte er bis vor kurzem Sonntag für Sonntag den Gottesdienst in „seiner“ Philippuskirche mit, wohl wissend: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“In der überfüllten Philippuskirche im Ökumenischen Gemeindezentrum, wo der Sarg des Verstorbenen aufgebahrt war, fand am 3. Januar ein würdiger Trauergottesdienst statt, den Pfarrer Dietmar Volke und Pfarrerin Sylvia Richter leiteten. In drei Nachrufen zeichneten Weggefährten von Pfarrer Beth dessen Lebensleistung nach und hoben seine Menschlichkeit hervor, die ihn zu einem wahren Freund werden ließ.                               

 


 

 

Ökumenisches Gemeindezentrum